40 Jahre Unternehmensgeschichte in der Sprachdienstleistung sind in unserer schnelllebigen Branche eine kleine Ewigkeit – und gleichzeitig fühlt es sich an, als sei alles im Flug vergangen. Unser Firmengründer Manfred Hoelzgen blickt im Gespräch auf ein Berufsleben zurück, das von der Schreibmaschine bis zu KI-gestützten Workflows reicht – und erzählt, warum Neugier und Technologieaffinität bis heute unser wichtigster Antrieb sind.
Vom freiberuflichen Übersetzer zum Sprachdienstleister
Wenn unser Gründer von seinen Anfängen erzählt, wird schnell klar: Am Anfang stand keine Konzernstrategie, sondern eine große Leidenschaft für das Übersetzen. Mehr als zehn Jahre arbeitete er als freiberuflicher Übersetzer, bevor er 1986 den Schritt wagte, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Idee war klar: professionelle, spezialisierte IT-Übersetzungen für große Technologiekunden – mit fest angestellten, intern ausgebildeten Übersetzerinnen und Übersetzern.
Damals war das eine Marktlücke: IT war komplex, Dokumentation umfangreich, und Qualität in der Zielsprache wurde zunehmend geschäftskritisch. Wer schon einmal einen Mainframe- oder Software-Release mit hunderten Seiten Dokumentation lokalisiert hat, weiß, wie viel Detailtiefe und Konsistenz es braucht. Dazu kam eine Vision, die bis heute unsere DNA prägt: Sprachprozesse nicht nur als Dienstleistung zu verstehen, sondern als integrierten Teil der Produktentwicklung unserer Kunden.
International denken, lokal liefern
Von Beginn an spielte Internationalisierung eine zentrale Rolle. Statt ausschließlich mit externen Lieferketten zu arbeiten, setzte unser früherer Geschäftsführer auf eigene Teams in den Zielsprachenländern. Lokale Fachübersetzerinnen und Fachübersetzer, intern geschult und eng mit den Projektteams vernetzt, sollten selbst anspruchsvollste Sprachen zuverlässig abdecken.
Dieser Ansatz war ungewöhnlich und technologisch anspruchsvoll. Firmengründungen in Ländern mit völlig anderer Infrastruktur, anderen Regularien und anderer Geschäftskultur waren alles andere als selbstverständlich. Doch der langfristige Vorteil war deutlich: stabile Prozesse, direkte Kommunikation und ein tiefes Verständnis der lokalen Märkte. Die Voraussetzung dafür, komplexe mehrsprachige Projekte heute durchgängig und effizient zu steuern, wurde früh gelegt.
Als ein Anruf alles veränderte
Eine Szene aus den frühen Jahren zeigt, wie stark sich die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Sprachdienstleistern verändert hat. Um das Jahr 2000 meldete sich ein Einkäufer eines großen Unternehmens mit einem Satz, den man heute kaum noch hört: „Ich würde mir gerne ansehen, was Sie da machen.“
Was folgte, war eine minutiös vorbereitete Vor-Ort-Präsentation: echte Projekte auf den Schreibtischen, durchdachte Antworten auf mögliche Fragen, ein Rundgang durch die Produktion. Am Ende des Besuchs kam der Satz, der viel bedeutete: „Ich möchte mit Ihnen zusammenarbeiten.“ Das war der Start einer langjährigen Partnerschaft – ohne Ausschreibung, ohne Auktion.
Heute laufen viele Prozesse über internationale Tender, Online-Portale und Auktionen. Persönliche Eindrücke werden durch KPIs, Preise und SLAs ersetzt. Die Anekdote erinnert uns daran, wie wichtig gelebte Qualität, Transparenz und Vertrauen sind – auch in einer Welt, in der Beschaffungsprozesse stark formalisiert sind.
Von der 10-MB-Festplatte zu KI-gestützten Workflows
Die technische Entwicklung, die unser Firmengründer erlebt hat, ist beeindruckend. Als die ersten PCs im Unternehmen ankamen, bot die Festplatte 10 Megabyte Speicher. Heute sprechen wir selbstverständlich über mehrere Terabyte, Cloud-Infrastrukturen und verteilte Systeme. Das ist mehr als nur eine Zahl – es ist die Basis dafür, wie wir Sprachprozesse heute denken.
Früher galt: Wir arbeiten mit der Hardware und Software, die unsere Kunden nutzen. Das bedeutete Olivetti-Diskettenschreibmaschinen, spezialisierte Schreibsysteme oder proprietäre Texteditoren – jeweils mit spezifischen Workflows und Dateiformaten. Damit Sprachprojekte trotzdem effizient liefen, brauchte es Menschen mit IT-Verständnis, die Technik und Sprache gleichermaßen beherrschten. Genau diese Verbindung prägt unsere Arbeit bis heute.
Wie aus Change-Makros Translation Memory wurde
Ein besonders spannender Teil der Geschichte ist die Entstehung der Translation-Memory-Technologie. In großen IT-Projekten tauchten immer wieder identische Sätze auf. Statt alles jedes Mal neu zu tippen, begann das Team, die Funktionen eines Entwickler-Editors kreativ zu nutzen: Suchen-und-Ersetzen-Befehle wurden zu Makros kombiniert, auf Disketten gespeichert und als primitive, aber wirkungsvolle Vorübersetzung eingesetzt.
Aus dieser pragmatischen Lösung entstand die Idee eines eigenen Translation-Memory-Systems bei STAR, das ohne komplexe Datenbanken auskommt und stattdessen mit einfach zu verwaltenden Sprachpaaren arbeitet. Der Name war schnell gefunden: „Translate it“ – kurz „Transit“. Was damals als Innovation für interne Prozesse startete, ist heute ein fester Bestandteil professioneller Übersetzungs-Workflows und wird nach Jahrzehnten stetiger Weiterentwicklung weiterhin produktiv genutzt.
Ein neues Geschäftsmodell für mehrsprachige Projekte
Mit der Einführung des Translation Memorys veränderte sich nicht nur die Technologie, sondern auch das Geschäftsmodell. Der Fokus auf eine Sprachkombination und einen Großkunden reichte nicht mehr aus, als sich Märkte und Technologien um die Jahrtausendwende wandelten. IT-Hersteller mussten agiler werden, Produktzyklen wurden kürzer, und die reine Englisch-Dokumentation genügte vielen Ländern nicht mehr.
Die zunehmende Forderung nach Landessprachen eröffnete neue Chancen. Dank der internationalen Struktur und der stark IT-getriebenen Prozesslandschaft konnte STAR Deutschland mehrsprachige Projekte anbieten, die klassische Strukturen oft überforderten. Aus Übersetzerinnen und Übersetzern wurden Projektmanager*innen, die komplexe, mehrstufige Lokalisierungsprozesse steuern konnten – inklusive Terminologie, Qualitätssicherung und Technologieintegration. Der entscheidende Punkt: Dieser Wandel gelang, ohne Mitarbeitende zu verlieren. Im Gegenteil – es entstanden neue, attraktive Rollenprofile im Spannungsfeld von Sprache und Technologie.
Immer schneller – ohne Qualität zu opfern
Eines hat sich in all den Jahren kaum verändert: Preisdruck und steigende Erwartungen. Während in vielen Branchen regelmäßige Preisanpassungen normal sind, ist die Realität in der Übersetzungsbranche oft eine andere. Effizienzsteigerung ist der Hebel, mit dem sich Qualität und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen lassen.
Vom Umstieg auf den PC über Translation Memory bis hin zu automatisierten QA-Checks – jedes neue Tool diente letztlich einem Ziel: mehr Textvolumen in kürzerer Zeit zu verarbeiten, ohne inhaltliche Sicherheit und terminologische Konsistenz zu gefährden. Wer über Jahrzehnte im Geschäft ist, weiß: Technologie ist kein Selbstzweck, sondern muss den Menschen im Prozess konkret unterstützen.
Der Aha-Moment mit KI
Einen dieser Momente hat unser Gründer Ende 2017 erlebt, als er zum ersten Mal ein modernes KI-Übersetzungstool im Live-Betrieb testete. Die Qualität der Vorschläge überraschte ihn – und machte schnell klar: Hier entsteht ein neues Werkzeug, das professionelle Übersetzung sinnvoll ergänzen kann.
Heute gehört die Kombination aus Translation Memory und KI-gestützten Engines in vielen Projekten zum Standard. KI kann Varianten vorschlagen, Terminologie abgleichen und Alternativen auf Knopfdruck liefern. Für Übersetzerinnen und Übersetzer bedeutet das: Sie werden manchmal gebremst, weil sie Vorschläge prüfen, aber sie gewinnen ein Plus an Qualität und Konsistenz, das sich im Gesamtprojekt schnell auszahlt.
Warum KI den Menschen nicht ersetzt
Trotz aller Begeisterung bleibt Manfred Hoelzgen in einem Punkt klar: KI-Übersetzung ist ein starkes Werkzeug, aber kein Ersatz für professionelle Sprachexpertinnen und -experten – insbesondere nicht in technischen Fachtexten und im Marketing. Dort, wo 100-prozentige inhaltliche Sicherheit, komplexes Fachwissen, kulturelles Fingerspitzengefühl oder kreative Adaptation gefragt sind, stößt KI an enge Grenzen.
Technische Dokumentation verlangt ein tiefes Verständnis von Funktionen, Abläufen und Risiken. Eine Terminologiedatenbank hilft, reicht aber allein nicht aus. Kontext, Zielgruppenfokus, rechtliche Implikationen – all das muss ein Mensch einordnen. Noch deutlicher zeigt sich das in marketingorientierten Inhalten: Ironie, Wortspiele, kulturelle Anspielungen oder Markenstimme lassen sich nicht einfach „durchrechnen“. Hier entscheidet der Mensch, welche Aussage in der Zielsprache wirklich funktioniert.
Blick nach vorne: Internationalisierung mit KI
Wie sieht die Zukunft der Sprachdienstleistung aus? Wenn die Translation-Memory-Technologie rund 20 Jahre bis zum Durchbruch brauchte, ist klar: Auch KI-gestützte Sprachprozesse werden sich weiterentwickeln und neue Szenarien ermöglichen, die wir heute nur erahnen. Entscheidend wird sein, welches Qualitätsniveau Kunden erwarten – von „druckreif und reguliert“ bis „schnell und gut genug“ für spontane Kommunikation.
Für professionelle Sprachdienstleister wie STAR entsteht daraus eine spannende Aufgabe: Prozesse so zu gestalten, dass sie modernste MT- und KI-Technologie integrieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Konsistenz und Markenwirkung zu machen. Genau in diesem Spannungsfeld versteht sich STAR Deutschland heute: als Partner für Unternehmen, die ihre Produkte und Inhalte professionell internationalisieren wollen – mit einem starken Netz an Standorten, erfahrenen Teams und einer klaren Haltung zu Qualität.
„Nie ausruhen – immer nach vorn“
Fragt man Herrn Hoelzgen nach seinem persönlichen Fazit aus über fünf Jahrzehnten in der Branche, fällt die Antwort knapp aus – und passt doch perfekt in unsere Zeit: Nie auf dem Erreichten ausruhen, sondern sich immer an die Spitze des Fortschritts setzen.
Diese Haltung prägt unsere Geschichte – von der Kugelkopfschreibmaschine bis zur KI-Engine – und sie wird auch in den kommenden Jahren der Kompass für unsere Sprachprozesse, Übersetzungen und technische Redaktion bleiben.

Dieser Text ist in einem Interview mit Herrn Manfred Hoelzgen entstanden, der das Unternehmen STAR Deutschland im Jahr 1986 gegründet hat und bis 2017 in der Geschäftsführung tätig war. Wir bedanken uns herzlich für die spannenden Einblicke und die authentischen Schilderungen.